03 Jul 2013

Die zehn goldenen Regeln für Politiker im Social Web: Hör nicht auf deinen Wahlkampfberater

Aus einem tweet von Peer Steinbrück

Aus einem tweet von Peer Steinbrück

In weniger als 100 Tagen wird ein neuer Bundestag gewählt. Klar, dass jetzt einige Kandidaten auch und vor allem im Social Web Gas geben, um die letzten Zweifler zu überzeugen. Worauf sie dabei zu achten haben, erklärt der Politikberater Martin Fuchs. 

1. Gehe strategisch vor

Kenne Deine Zielgruppe und Deine Themen. Überlege Dir, bevor Du mit Facebook, Twitter und Co anfängst, was Du damit eigentlich erreichen willst und definiere im Vorfeld, wie deine Ziele und Zielgruppen genau aussehen. Evaluiere Deine Ziele kontinuierlich und entscheide dann, ob der Aufwand gerechtfertigt ist.

2. Hör nicht auf deinen Wahlkampfberater

Zumindest dann nicht, wenn er Dir sagt, dass Du unbedingt Social Media machen musst, weil das gerade total angesagt und hip ist und weil damit der Obama in den USA die Wahl gewonnen hat. Nutze Social Media nur, wenn Du wirklich motiviert bist, neue Instrumente auszuprobieren und Lust auf Dialog hast. Viele andere Wege führen ebenfalls nach Rom bzw. zum Wahlsieg. Möglichweise erreichst Du deine Wähler mit anderen Mitteln besser als mit Social Media.

3. Starte Social Media nicht vor dem Wahlkampf

Und höre damit nicht nach dem Wahlkampf wieder auf. Das größte Potential für die politische Nutzung von Social Media liegt in der Zeit zwischen den Wahlen. Der kontinuierliche Kontakt zu Deinen Bürgern und Sympathisanten auch außerhalb der Wahlkampfzeiten bildet das Fundament für einen erfolgreichen Wahlkampfeinsatz. Wer jetzt noch keine Social Media-Profile hat, sollte sie für die Bundestagswahl auch nicht mehr anlegen. Dies wirkt wie eine Alibi-Veranstaltung.

4. Habe das Ohr am Bürger

Einfacher und günstiger war politische Meinungsforschung noch nie. Auch wenn die digital Aktiven immer nur ein Ausschnitt aus der Wählerschaft sind, bekommst Du über diese sehr genau mit, welche Probleme im Wahlkreis diskutiert werden, wie sich Meinungen bilden und wer die inhaltlichen Meinungsführer zu den Themen sind. Nutze Monitoring-Tools, um zu wissen, über was die Bürger in Blogs, Foren und den sozialen Netzwerken diskutieren.

Social Media erscheinen Politikern oft wie ein Mysterium (Foto: Tobias Koch)

Social Media erscheinen Politikern oft wie ein Mysterium (Foto: Tobias Koch)

5. Wage Dich in Dialoge

Und diskutiere mit! Das größte Potential fast aller sozialen Netzwerke liegt in der Möglichkeit des Dialoges und im direkten Rückkanal.  Habe Mut und nimm Dir Zeit, auch im Netz Deine Positionen zu erläutern und zu diskutieren z.B. auf abgeordnetenwatch.de, direktzu.de, Facebook oder im eigenen Blog. Auch auf fremden Seiten. Bei deinen wichtigsten Themen solltest Du auch auf den Seiten von Verbänden, anderen Parteien und Politikern aktiv mitdiskutieren.

6. Binde Deine Sympathisanten und potentiellen Wähler in deine Entscheidungen mit ein

Bürger wollen immer stärker in politische Entscheidungen eingebunden werden, auch zwischen den Wahltagen. Stelle aktuelle Diskussionen und Entscheidungen zur Kommentierung online und frage den „Schwarm“, welche Argumente für oder gegen eine Entscheidung sprechen. Du wirst sehen, danach bist Du schlauer und der Bürger fühlt sich und seine Meinung ernst genommen.

7. Schaue nicht auf die reinen Fan- und Follower-Zahlen

Schwanzvergleiche waren schon immer in. Auch digital. Viele treue Fans sind das Eine, aber nicht alles. Eine hohe Anzahl an Fans sagt nur bedingt etwas über den Erfolg deiner Social-Media-Aktivitäten aus.  Eine kleine aber diskussionsfreudige Community mit vielen Multiplikatoren bringt manchmal mehr als hunderte passive Follower. Sorge dafür, dass Du mit den für dich wichtigen Multiplikatoren vernetzt bist (in einem speziellen Themengebiet, in Deinem Wahlkreis). Das ist Deine wichtigste Zielgruppe.

8. Lass Dich von Anderen inspirieren

Du musst nicht das Social-Media-Rad neu erfinden, viele Politiker nutzen seit Jahren teilweise sehr erfolgreich die verschiedenen Netzwerke. Schau genau hin und eventuell auch ab, wie sie die Kanäle bespielen und versuche ihr Verhalten – passend zu Deiner Persönlichkeit – zu adaptieren. Benchmarking-Möglichkeiten bietet z.B. die Plattform Pluragraph.de. Für Politiker und für Parteien.

9. Habe keine Angst vor Shitstorms

Auch wenn es das Wort in den Duden geschafft hat: So etwas gibt es eigentlich nicht. Nur in den Medien. Sollten wirklich mal persönlichkeitsverletztende Kommentare auftauchen, gibt es Wege, darauf zu reagieren. Immer wichtig: Angriffe NIE persönlich nehmen. Der Regierungssprecher macht in solchen Fällen den Rechner aus und am nächsten Tag wieder an. Alles beginnt bei 0.

10.  Versuche nicht cool zu sein

Du hast deine Sprache, das Netz hat seine Sprache. Versuche Dich aber nicht zu verbiegen und die Sprache der „Digital Natives“ zu sprechen, wenn Du keiner bist. Sei genau so, wie am Wahlkampfstand im Supermarkt, im Kreisverband oder beim Werksbesuch: Authentisch. Doch eine Sache solltest Du wie die Netzmenschen tun: Hashtags verwenden.

Über Martin Fuchs

Martin Fuchs berät, referiert und bloggt. Seit 2011 ist er Hamburger und gründete an der Elbe „Bürger & Freunde“. Er berät öffentliche Institutionen und die Politik bei der Nutzung sozialer Medien für Bürgerdialog und Verwaltungsmodernisierung. Martin Fuchs ist Lehrbeauftragter an der Universität Passau und Dozent an weiteren deutschen Universitäten  zum Thema „Social Media in Politik und Verwaltung“. Zudem ist er Gründer von Pluragraph.de, der Plattform für Social-Media-Benchmarking und Social-Media-Analyse im nicht-kommerziellen Bereich und bloggt über Social Media in der Politik unter www.hamburger-wahlbeobachter.de.

Martin Fuchs

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