D21-Digital-Index:

Digital wie nie zu vor, aber stark gespalten

Foto: CC BY 2.0 Flickr User Creativity103. Bildname: electronic circuit board. Ausschnitt bearbeitet.

Digitale Sprachassistenten, virtuelle Räume, intelligente Städte – jährlich schreitet die Digitalisierung der Gesellschaft durch jene Entwicklungen ein kleines Stück voran. Was verändert sich und wie kommen diese Veränderungen bei der Bevölkerung an? Um das zu verstehen führt der gemeinnützige Verein „Initiative D21 e.V.“, der mit dem Ziel gegründet wurde, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern, seit 2013 jährlich Befragungen durch und hält die Ergebnisse im D21-Digital-Index fest. Vergangenen Dienstag hat die Initiative den Index für 2017/2018 gemeinsam mit dem Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) Matthias Machnig vorgestellt. Zwar ist der Digitalisierungsgrad in Deutschland gestiegen, die digitale Spaltung ist jedoch nach wie vor hoch.

So digital wie nie zuvor

Wie digital sind wir in Deutschland insgesamt schon? Auf eine Skala von Null bis Hundert ist Deutschland mit derzeit 53 Indexpunkten – verglichen mit dem Jahr 2013 – so digital wie nie zuvor, lautet das Ergebnis der Studie. Die Kennzahl umfasst die Komponenten Kompetenz, Zugang, Offenheit und Nutzungsvielfalt, die auch in dieser Reihenfolge abnehmend stark gewichtet wurden. Aufgrund von Steigerungen in den Bereichen Digitale Kompetenz und Offenheit zum Internet ist der Indexwert zum ersten Mal seit 2013 um zwei Punkte gestiegen. Trotz Verbesserungen befinde sich laut Studie der Digitalisierungsgrad der Deutschen weiterhin nur auf mittlerem Niveau.

„Nach wie vor fühlen sich viele nicht für die digitale Welt gewappnet“,

erklärt Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21.

Vorreiter, Mithaltende, Abseitsstehende

Der Index zeigt, dass sich die Bevölkerung derzeit in drei Hauptgruppen aufteilen lässt. In die erste Gruppe gehören die „Digitalen Vorreiter“ – also jene Menschen, die sich souverän in der digitalen Welt bewegen. Zu dieser Gruppe gehören laut Studie 34 Prozent. Die zweite Gruppe, die mit 41 Prozent den größten Teil ausmacht, sind die „Digital Mithaltenden“. Die zu dieser Gruppe gehörenden Menschen halten sich gelegentlich in der digitalen Welt auf und finden sich darin einigermaßen zurecht. Ein ganzes Viertel der Bevölkerung gehört laut der Studie aber zu den „Digital Abseitsstehenden“. Das bedeutet, dass 16 Millionen Menschen in Deutschland gar nicht oder nur in sehr geringem Umfang an der digitalen Welt teilnehmen.

Alter, Bildungsgrad oder Geschlecht – in vielerlei Hinsicht sei die deutsche Gesellschaft bezüglich ihrer digitalen Möglichkeiten gespalten, meinen die Forscher.

„Menschen mit hoher formaler Bildung haben einen signifikant höheren Digitalisierungsgrad als Menschen mit niedriger Bildung. Männer sind digitaler als Frauen und Berufstätige mehr als nicht Berufstätige“, heißt es in der Studie.

Auch in der digitalen Arbeitswelt zeigt sich eine alters- und geschlechterspezifische Spaltung: Am häufigsten bekommen die 30-49-Jährigen Geräte und technische Zugänge fürs Homeoffice gestellt. In dieser Altersgruppe profitieren Männer zwei- bis dreimal so häufig wie Frauen davon.

Matthias Machnig betonte bei der Vorstellung der Studie, dass dafür gesorgt werden müsse,

„dass alle Menschen kompetent und souverän an der Digitalisierung teilhaben können – auch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“

Um eine dauerhafte Inklusion aller Teile der Bevölkerung zu garantieren, seien laut Hannes Schwaderer

„deutlichere Anstrengungen in allen Bereichen der Bildung notwendig, sei es in der Schule, Berufsbildung oder auch der Erwachsenenbildung.“

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