Der Sender – neue Medienplattform mit Genossenschaftsmodell

Nach den Krautreportern hat sich nun eine weitere Gruppe von freien Journalisten zusammengetan, um eine „unabhängige Plattform für zukunftsweisenden Journalismus“ zu schaffen: Der Sender. Hauptsächlich Audio- und Video-Formate will das Initiatoren-Team Jana Wuttke, Lena Waterkamp, Linda Rath-Wiggins, Lorenz Matzat und Philip Banse künftig online stellen. Die eigenen Sendungen – geplant sind zunächst Formate zu den Bereichen Polittalk, Wissenschaft und Familie – werden in einer Kreuzberger Fabriketage produziert, live im Internet übertragen und im Anschluss on-demand zur Verfügung gestellt. Hinzukommen sollen Reportagen und künstlerische Formate, die von Autoren eigenständig produziert und von der „Sender“-Crew redaktionell begleitet werden. Im Frühsommer soll der Sendebetrieb starten.

Finanzierung per Crowdfunding

Die nötige finanzielle Grundausstattung für ihr Projekt wollen die fünf Organisatoren in zwei Schritten sicherstellen. Zunächst soll im Frühjahr über eine Crowdfunding-Kampagne Geld gesammelt werden, mit dem die Infrastruktur und mindestens ein Jahr Sendebetrieb finanziert werden kann. Dieser Prozess soll für alle Interessenten sowohl auf der Homepage als auch auf den Facebook-, Twitter– und Youtube-Kanälen transparent dokumentiert werden.

Wenn das Crowdfunding erfolgreich war, will das Quintett eine Genossenschaft für Unterstützer gründen, die das Projekt langfristig unterstützen wollen. Die Genossenschaftsmitglieder sollen an den grundsätzliche Entscheidungen in dem Unternehmen beteiligt werden und ein publizistisches Fundament für die Redaktion sein. Später kann die Genossenschaft auch selbst gewählte andere Aufgaben übernehmen, zum Beispiel ist an einen genossenschaftlichen ISP gedacht.

 Aus Fehlern lernen

Mit dem Versprechen, eine gemeinschaftlich finanzierte andere Art von Online-Journalismus anzubieten, waren vor einem Jahr auch die Krautreporter in die Crowdfunding-Phase gestartet, die allerdings nicht frei von Stolpersteinen war. Zwar erreichte das 30-köpfige Journalistenteam die angestrebten 900.000 Euro zur Finanzierung des ersten Jahres, geriet aber durch zum Teil undiplomatische Reaktionen auf Kritik immer wieder in die Schlagzeilen. Auch die von den Krautreportern selbst geweckten hohen inhaltlichen Erwartungen sehen manche Unterstützer nicht erfüllt.

Das Team von „Der Sender“ hat nach eigenen Angaben daraus gelernt. Die Initiatoren befinden sich derzeit in einer Phase, in der noch viele Fragen offen sind. Diese wollen sie zusammen mit der Community klären. Ziel ist es, sich bereits vor dem Crowdfunding mit Anregungen und Kritik auseinanderzusetzen. Zu diesem Zweck bietet die Redaktion u.a. Sprechstunden an, in der sie sich mit Interessierten austauscht. Auch außerhalb dieses Dialogformats sind die „Sender“-Initiatoren mit vielen Personen über Anfragen und Angebote im Gespräch. Wer über die neuesten Entwicklungen des Projekts auf dem Laufenden bleiben möchte, kann neben den Social-Media-Quellen auch einen E-Mail-Newsletter abonnieren.