Digitale Agenda:

Berlin bekommt das Deutsche Internet-Institut

Im Wettbewerb um das Deutsche Internet-Institut hat sich das Konsortium aus Berlin-Brandenburg durchgesetzt. Das gaben Bundesforschungsministerin Prof. Johanna Wanka (CDU) und Prof. Susanne Weissman als Vertreterin der Jury am 23. Mai in Berlin bekannt. Zusammen mit Prof. Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), das den erfolgreichen Verbund koordiniert, erklärten sie, weshalb sich der Antrag mit starker sozialwissenschaftlicher Kompetenz in der finalen Runde des Wettbewerbs gegen die Konkurrenz aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen durchsetzen konnte. Die anderen Anträge hätten zwar auch starke sozialwissenschaftliche Forschungskompetenz vorweisen können, das berlin-brandenburgische Konsortium hat die Jury in dieser Hinsicht allerdings besonders überzeugt.

Die Forschungsagenda

Auf der breiten Forschungsagenda des neuen Instituts mit dem Namen „Internet-Institut für die vernetzte Gesellschaft“ werden deshalb unter anderem sechs Arbeitsschwerpunkte stehen:

  • Technikwandel
  • Arbeit, Innovation und Wertschöpfung
  • Vertrag und Verantwortung auf digitalen Märkten
  • Wissen, Bildung und soziale Ungleichheit
  • Demokratie, Partizipation und Öffentlichkeit
  • Governance und Normsetzung

Die Auswirkungen und Gefahren von kritischen digitalen Infrastrukturen auf Individuum und Gesellschaft beschäftigen die Wissenschaftler beispielsweise oder die Frage nach Teilhabe von Beschäftigten in der digitalen Arbeitswelt. Auch demokratische Teilhabe unter fortschreitender Digitalisierung wird am Institut erforscht werden. Besonders auch der Wille der Antragstellenden, nicht nur kritisch reflexiv, sondern auch mit einer „gestaltenden Herangehensweise“ die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft zu erforschen, war der Jury sehr willkommen, so Susanne Weissman. Deswegen sei ein Teil des Auftrags – neben der Forschung – auch Politikberatung, so die Ministerin.

Mit der Förderung in Höhe von bis zu 50 Millionen Euro für die ersten fünf Jahre setzt die Bundesregierung ein weiteres Vorhaben aus der Digitalen Agenda um:

„Ein öffentlich finanziertes Forschungsinstitut wird in einem interdisziplinären Ansatz die ethischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und partizipativen Aspekte von Internet und Digitalisierung erforschen.“

In seiner Forschung soll das Institut jedoch völlig unabhängig sein, betonte die Ministerin.

Das Institut

Der Forschungsverbund besteht aus fünf Universitäten (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität, Technische Universität, Universität der Künste und Universität Potsdam) sowie den außeruniversitären Forschungseinrichtungen Fraunhofer-FOKUS und WZB. Als Gründungsdirektoren agieren Professor Martin Emmer von der Freien Universität, Professor Axel Metzger von der Humboldt-Universität sowie Ina Schieferdecker, TU-Professorin und Institutsleiterin von Fraunhofer-FOKUS. In einer gemeinsamen Räumlichkeit – der Berliner Senat sucht bereits nach einem geeigneten Objekt – sollen insgesamt 30 „Principal Investigators“, 20 Forschungsgruppen, 20 Post-Docs, 40 PhDs und 20 Research Fellows Ende des Jahres die Arbeit aufnehmen. Die Vertreterin der Jury gab an, dass „der Standort Berlin nicht entscheidend, aber sicherlich kein Nachteil“ bei der Bewerbung war.

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Ob es nicht schon genug Institute zur Erforschung der Digitalisierung in Berlin gebe, zum Beispiel das Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) oder das vor kurzem an den Start gegangene Einstein-Zentrum Digitale Zukunft, fragte ein Journalist bei der Pressekonferenz. Die Antwort der Antragsteller-Vertreterin Jeanette Hofmann: Man wolle sich breit aufstellen und bestehende Forschungslücken schließen. Mit „Netzwerkpartnern“ wie dem HIIG will das Institut zusammenarbeiten, vor allem aber auch mit namhaften internationalen Partnern. Auch das Konzept für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses habe die Jury überzeugt. Stellen will das Institut nämlich ab September 2017 bewusst international ausschreiben.

Der vorstehende Artikel erscheint im Rahmen einer Kooperation mit dem Tagesspiegel Politikmonitoring auf UdL Digital. Lina Rusch schreibt über Netzpolitik und beobachtet die Landespolitik.