Digitale Inklusion:

Wie Apps den Alltag von Senioren erleichtern

Die Teilhabe am digitalen Leben bietet für jede Altersgruppe ganz individuelle Vorteile. Besonders für ältere Menschen ist digitale Aktivität mit mehr Selbstständigkeit und gesellschaftlicher Beteiligung bis ins hohe Alter gleichzusetzen.

Foto: Till Budde

Die Bedeutung der vielfältigen Chancen, die durch die Nutzung des Internets und digitaler Applikationen für Menschen ab Sechzig entstehen, ist ein Thema, dem sich die Telefónica Deutschland seit fünf Jahren verschrieben hat. Zusammen mit der Stiftung Digitale Chancen wird mit dem Projekt „Digital mobil im Alter“ die Inklusion im Netz verstärkt gefördert.

Welchen Mehrwert Apps als Instrument für Senioren im Alltag haben, wurde am 12. Dezember 2017 im Telefónica Basecamp praktisch erkundet. Rund fünfzig Teilnehmer und Teilnehmerinnen vertieften ihr digitales Wissen im Workshop „Nützliche Apps im Seniorenalltag“. Ausgestattet mit eigenem Handy oder einem vom Veranstalter Telefónica zur Verfügung gestellten Tablet, wurden die Apps von den Berliner Verkehrsbetrieben BVG, Süddeutsche Zeitung und Berliner Morgenpost in Praxiseinheiten erkundet.

Ältere Menschen mit Berührungsängsten

Bevor sich die motivierten Senioren dem Entdecken der Apps widmeten, betonte Deniz Taskiran, Managerin Corporate Responsibilty Telefónica Deutschland, während der Begrüßung, wie wichtig Veranstaltungen dieser Art für die digitale Inklusion älterer Menschen sind: „Wir als Telekommunikationsunternehmen treiben die Digitalisierung maßgeblich voran. Daraus leiten wir auch unsere Verantwortung ab, uns für die Teilhabe aller gesellschaftlichen Gruppen einzusetzen und Berührungsängste mit der digitalen Welt abzubauen.“

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Diese Ängste betreffen vor allem Applikationen, die die Herausgabe persönlicher Daten voraussetzen. Während Senioren, die online aktiv sind vor allem Dienste wie E-Mail,  Fahrplanauskunft und Navigation nutzen, gibt es große Bedenken gegenüber höherschwelligen Anwendungen wie Online-Banking Apps, bestätigte Jutta Croll, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Digitale Chancen. Gleichzeitig betonte sie, dass die Voraussetzung für einen erfolgreichen Übergang zur Digitalisierung sei, das Verständnis  zwischen jungen Menschen und Super Adults zu fördern. Mit dem Ausdruck Super Adults, der in Großbritannien gebräuchlich ist, hob sie das große Potenzial der älteren Zielgruppe für die digitale Zukunft hervor. Denn laut einer aktuellen Studie, die von der Stiftung Digitale Chancen und Telefónica Deutschland herausgegeben wurde, nutzt bisher nur jeder Dritte über sechzig Jahren das Internet. Der Grund dafür sind oftmals negative Nutzungserfahrungen.

Der Mehrwert von Apps für Senioren liegt dabei auf der Hand und reicht vom intensiveren Kontakt zur Familie durch Messenger-Dienste, über bessere Informationsmöglichkeiten bis hin zu zahlreichen Leistungen von Institutionen und Dienstleistern, die ortsunabhängig abrufbar sind und so Barrierefreiheit sicherstellen. Auf diese Weise leisten Apps einen essenziellen Beitrag dabei, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Beteiligung bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

Senioren in der digitalen Praxis

Von digitaler Verunsicherung gab es keine Spur als sich die anwesenden Senioren in die jeweiligen Praxisgruppen mit den Themen Mobilität und Information zurückzogen. „Welche Bahnhöfe sind eigentlich barrierefrei?“ und „Warum will die App auf meine privaten Fotos zurückgreifen?“ waren nur einige der Fragen, die bei den Teilnehmern des angeleiteten BVG Workshops aufkamen. Auf der anderen Seite informierten sich die versierten Zeitungsleser über das digitale Angebot von Berliner Morgenpost und Süddeutsche Zeitung. Seniorenspezifische Vorteile wie die Skalierbarkeit der Buchstaben sowie die zuverlässige Zustellung der Zeitung per App, ohne zum Briefkasten gehen zu müssen, stießen auf besonderen Anklang bei den Workshop-Teilnehmern. Angeregte Diskussionen, fleißiges Klicken und praktischer Austausch fanden auf beiden Seiten statt und sorgten für Gesprächsbedarf, dem im Anschluss an den Praxisteil im Plenum begegnet wurde.

Es liegt nicht nur an Ihnen, es liegt auch an uns

Auf der Bühne stellten sich Christine Albrecht und Dirk Tegetmeier (BVG), genauso wie Jutta Croll (Stiftung Digitale Chancen) sowie Patrick Liesener (Berliner Morgenpost) und Andreas Kummert (Süddeutsche Zeitung) den zahlreichen Fragen der Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Doch zuallererst stellte Patrick Liesener heraus: „Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Fehler bei der Anwendung von Apps nicht immer durch den Nutzer bedingt sind. Auch App-Entwickler machen Fehler. Nur durch Ihre Erfahrungen können wir dazulernen und unsere Apps stetig verbessern.“

Denglisch und Datenschutz als besondere Herausforderungen

Eine Erkenntnis, die auch Jutta Croll als wesentlichen Punkt betont: „Genau aus diesem Grund sind Veranstaltungen wie dieser Workshop heute so wichtig. Die Anwendungen werden zusammen mit den Nutzern entwickelt, deswegen ist direkter Austausch so essenziell und die Voraussetzung für Applikationen, die das persönliche Leben wirklich bereichern.“

Foto: Till Budde

Es herrschte eine rege Beteiligung an der Diskussion. Wünsche nach Erklärvideos auf YouTube pro App kamen genauso auf, wie der Wunsch, Denglisch gänzlich zu vermeiden, um in Zukunft Sprachbarrieren abzubauen. Auf besonders großes Interesse stieß die Frage, welche Rolle in Zukunft Sprachassistenzsysteme spielen sollten. Ein Thema, das besonders im Hinblick auf die Inklusion von Senioren mit Sehschwäche sehr wichtig ist, jedoch unter anderem hohe Entwicklungskosten voraussetzt. „Wir arbeiten verstärkt daran, Systeme wie Siri, Cortana und Alexa in unser Angebot zu integrieren, allerdings stellt hier der Datenschutz pro System eine besonders Herausforderung dar.“, so Andreas Kummert (Süddeutsche Zeitung).

Allerdings bieten Apps schon heute zahlreiche Möglichkeiten, die aber nicht genutzt werden. Ein Beispiel lieferte Dirk Tegetmeier (BVG) mit der Alarmfunktion der BVG-App, die darauf hinweist, wann sich der Fahrgast am besten auf den Weg zur Bahn macht, oder wann Umsteigen nötig ist. Ein Angebot, das besonders für Senioren sehr interessant ist, aber kaum genutzt wird. Warum das so ist, kommentiert ein Teilnehmer direkt vor Ort. „Bei Alarm denke ich, dass sofort meine Verwandten oder der Notarzt angerufen werden, das würde ich auch nicht nutzen.“

Den digitalen Graben überwinden

Das wird nur einer der Aspekte sein, die aus dem heutigen Workshop mit in die Entwicklungsabteilungen der verschiedenen Unternehmen getragen wurden. Gleichzeitig wurde ein weiterer Schritt dahingehend getan, den digitalen Graben im Hinblick auf verschiedene Lebensalter ein Stück weiter zu schließen. In Zukunft müssen die Bedürfnisse von Senioren bei der Entwicklung von Apps noch stärker mitgedacht werden, damit auch Ü60 die wesentlichen Faktoren für die digitale Teilhabe gefördert werden: Motivation und Mut.