Fußball 2.0:

Gegner-Apps statt Zettelchaos

Wer glaubt, Elfmeterschießen im Profifußball sei eine Sache des Glücks, der wurde spätestens bei dem WM-Viertelfinale 2006, Deutschland gegen Argentinien, eines Besseren belehrt: Dort zog der deutsche Torhüter Jens Lehmann einen Zettel aus dem Stutzen, auf dem eine Information über den argentinischen Schützenstand – und hielt den Ball anschließend. Neben Glück scheinen demnach Informationen über den Gegner beim Elfmeterschießen wichtig zu sein. Obwohl sich der Zettel für den Einzug ins WM-Halbfinale bewährte, sagt Christofer Clemens, der Chef-Datenanalyst des Deutschen Fußballbunds (DFB):

Foto: CC-By 2.0 Flickr User James Boyes.

„Die Zeit der Zettel soll der Vergangenheit angehören“.

Der DFB setzt jetzt auf neue Technologien.

Virtual-Reality-Training

Erst vor Kurzem ist der DFB eine strategische Partnerschaft mit STRIVR Labs eingegangen. Das aus einem Forschungsprojekt der amerikanischen Elite-Universität Stanford hervorgegangene Start-up entwickelt Virtual-Reality-Umgebungen, die Sportler helfen sollen, effizienter zu lernen, ihre Reaktionszeit zu steigern, Muster festzustellen und Entscheidungen zu treffen. Laut STRIVR Labs besteht der Vorteil der Virtual-Reality-Umgebung darin, dass jederzeit und überall trainiert werden kann – ganz unabhängig von der Wetterlage oder einer Verletzung. Das Motto: Lass deinen Körper ruhen und trainiere deinen Kopf.

Auch der DFB möchte die Virtual-Reality-Brille zur Schulung und Bestimmung der psychologischen und kognitiven Fähigkeiten der Fußballspieler nutzen.

„‚Virtual Reality‘ ist ein hochspannendes Zukunftsthema, bei dem wir von Anfang an dabei sein und unsere Ideen einbringen wollen“,

sagt Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft und Projektleiter der neuen DFB-Akademie in Frankfurt. Von den Erkenntnissen aus dem Training mit der Virtual-Reality-Brille sollen laut Bierhoff alle Vereine in Deutschland – sowohl Profiklubs als auch Amateurmannschaften – profitieren.

Gegner-Apps

Um den Gegner zu analysieren, nutzte der DFB bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, dem Confederations Cup 2017 in Russland und der U-21-Europameisterschaft 2017 in Polen drei „Gegner-Apps“. „Challenge Insights“, „Penalty Insights“ und „Match Insights“ entwickelte der DFB gemeinsam mit SAP und der Sporthochschule Köln. Im August verlängerten SAP und der DFB die Co-Innovationspartnerschaft um weitere drei Jahre. Bei den Apps wird Big Data eingesetzt, um die Stärken und Schwächen der gegnerischen Teams kurz vor einem Spiel zu identifizieren. Die erste App, „Challenge Insights“, liefert Informationen über die Eigenschaften, Spieltaktik und Formation des Gegners. Die Informationen über die gegnerischen Teams stammen dabei aus Scouting-Berichten. Bei der zweiten App, „Penalty Insights“, geht es ums Elfmeterschießen. Schießt der Gegner nach links oder rechts? Hoch oder flach? Ein Algorithmus bestimmt, wo der Schuss hingehen könnte.

„Wir versuchen Wahrscheinlichkeiten zu erhöhen und Risiken zu minimieren“, sagt Christofer Clemens, Chef-Datenanalyst des DFB, der tz.

Die dritte App, „Match Insights“, ist als Erleichterung für die Trainingsanalyse und Turniervorbereitung gedacht. Es werden große Mengen an Daten verarbeitet, um so Spielsituationen auszuwerten. Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft, erklärt:

„Die digitale Transformation ist längst auch im Fußball angekommen. Hier müssen wir weiterhin ein globaler Vorreiter sein und werden zusammen mit SAP an weiteren Neuerungen für den Fußball arbeiten.“

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