Innovationsreport 2019:

Wie steht es um den Standort Europa?

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Foto: Rawpixel | FreeCollection

Schon mal was von “Silicon Saxony” oder “La French Tech” gehört? Nur zwei Beispiele von mehreren europäisch regionalen “tech hubs”, in denen versucht wird durch Standort- und Netzwerkeffekte Innovationen anzutreiben. Dass das US-amerikanische Vorbild “Silicon Valley” vermutlich weitaus größeren Bekanntheitsgrad genießt, ist nur ein Ausdruck davon, dass Innovation aktuell eher mit den USA und Asien verbunden wird als mit Europa. Dabei erzielte Deutschland erst Ende Januar im Innovationsranking von Bloomberg den zweiten Platz. Und dass auch viele Unternehmen in der europäischen Nachbarschaft auf den Faktor Innovation setzen, zeigen die Ergebnisse des jüngst veröffentlichten Innovationsreports 2019 des Beratungsunternehmens Deloitte. Fazit des Berichts:

                                     “Innovation is far from dead in Europe.”

Innovation Teil der Unternehmensstrategie

Für die Studie befragte Deloitte “Führungskräfte von insgesamt 760 europäischen Unternehmen aus 16 Ländern und 20 bedeutenden Branchen”. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass Innovation europaweit als Teil der Unternehmensstrategie gesehen wird. 88 Prozent gehen von einem Anstieg des Budgets für Innovationen in ihrem Unternehmen in den nächsten zwei Jahren aus. Als wichtigsten Antrieb für Innovation identifizieren 92 Prozent der Befragten technologischen Fortschritt. 82 Prozent bewerten Erwartungen der Konsumenten als Innovationstreiber. Dahinter steckt, dass auch die Konsumenten durch die Digitalisierung immer vernetzter und informierter unterwegs sind und damit höhere Ansprüche an die Produkte stellen.

Investitionen in digitale Technologien ist in vielen europäischen Unternehmen längst der Standard. Bereits 69 Prozent der befragten Unternehmen investieren in “Data Analytics“, 62 Prozent in “Cloud Computing“. Auch Zukunftstechnologien sollen in den Betrieben Europas Einzug halten. Für die nächsten zwei Jahre planen 42 Prozent der Unternehmen in Künstliche Intelligenz zu investieren. Weitere Technologien mit denen geplant wird, sind Robotergesteuerte Prozessautomatisierungen, “Augmented and virtual reality” und Blockchain.

Innovation kein Jobkiller

Die Befürchtung, dass der Einsatz Künstlicher Intelligenz und eine fortschreitende Automatisierung ein “Job-Killer” wird, teilt der Großteil der Unternehmen nicht. Im Gegenteil: 41 Prozent gehen von einem Anstieg der Zahl der Vollzeitbeschäftigten aufgrund der Einführung neuer Technologien aus. Weitere 29 Prozent prophezeien keine Veränderung und nur 23 Prozent sagen einen Rückgang voraus. Davon abweichende Antworten geben jedoch die Befragten aus den Sektoren Banken, Finanzen, Energie und Versicherung. Hier gehen die meisten von einer negativen Auswirkung des digitalen Wandels auf die Arbeitnehmerschaft aus.

Kultureller Widerstand gegen Veränderung

Und was hindert die Innovationsfähigkeit von europäischen Unternehmen? 34 Prozent der Befragten betrachten “kulturell bedingten Widerstand gegen Veränderung” als große Hürde für Innovation. Zudem seien Fragen der Datensicherheit und das Fehlen von technologischen Fähigkeiten und ein Mangel an Optionen diese weiterzubilden innovationshemmend.

Was tun für Innovation?

Abschließend gibt der Bericht aber auch Handlungsempfehlungen, um Innovation zu fördern. So sollten Unternehmen nicht nur in Technologien investieren, sondern auch das Personal mitnehmen und die organisatorischen Strukturen an die Veränderungen anpassen. Die Multidimensionalität von Innovation muss in die Planungen miteinbezogen und Fähigkeiten im Umgang mit neuen Technologien gefördert werden – zum Beispiel durch Kooperationen mit Universitäten. Allgemein sollten Netzwerkeffekte und die Chancen aus der Zusammenarbeit mit externen Partnern besser genutzt werden. Und wer weiß, vielleicht folgt dem “Silicon Saxony” dann auch das “Silicon Ostfriesland” oder das “Silicon Saarland”.