Instagram:

Stefan Liebichs politische Stories

2018 ist definitiv das Jahr, in dem Instagram politisch wurde. Auch wer sich zur Digitalpolitik der Bundesregierung informieren will, kommt an Dorothee Bärs Instagram-Account nicht mehr vorbei: Dort dokumentiert die Digitalstaatsministerin in ihren Instastories fast jedes Meeting und jede Sitzung. Es sind vor allem die Stories, die es der Politik angetan haben: Politiker zum Anfassen sein und zeigen, was man im fernen Berlin so macht – all das funktioniert prima auf Instagram. Einen Hauch von Selbstdarstellung hat das Soziale Netzwerk allemal. Der Linken-Politiker Stefan Liebich verfolgt dagegen seit Neustem einen anderen Ansatz.

Stories von @Berlinliebich

Foto: CC BY 2.0 Credit: howtostartablogonline.net. Ausschnitt bearbeitet.

Der Berliner Abgeordnete Stefan Liebich ist außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag und einer der bekannteren Befürworter eines rot-rot-grünen Bündnisses. In aufwändig produzierten Stories liefert er auf seinem Account @Berlinliebich – man glaub es kaum – richtige Inhalte. In einem vor kurzem veröffentlichten Insta-Essay arbeitet er die Causa Maaßen aus Sicht der Linksfraktion auf. „Hintergrundinfos, der Versuch einer Einordnung, unsere Position und Ausblick“ – das wollte Liebich mit einer 38-teiligen Instastory bieten und stieg zunächst tief in die vergangenen Skandale um den scheidenden Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen ein.

So gar nicht oberflächlich waren dann auch die Einblicke, die Liebich in die Positionen bot, die Mitglieder seiner Fraktion vertreten. Warum Maaßen wegen seiner kontroversen Aussagen im NSA-Untersuchungsausschuss nicht mehr tragbar sei, erläutert Martina Renner, Sprecherin für antifaschistische Politik. Warum Maaßen Informationen derselben Qualität an den AfD-Haushaltspolitiker Stephan Brandner herausgegeben hat, für die er vor einigen Jahren netzpolitik.org wegen Landesverrat angeklagt hatte, beschreibt die netzpolitische Sprecherin Anke Domscheit-Berg. Aufklärung im Rechtsausschuss fordert Linken-Ausschussmitglied Friedrich Straetmanns. Am Ende der Story fordert Jan Korte, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken im Bundestag, Maaßens Entlassung.

„Wir machen weiter Druck“, erklärt Liebichs Team, wie die Causa Maaßen aus Sicht der Linken ausgehen sollte. Bekanntlich wird Maaßen als Chef des Inlandsgeheimdienstes bald abgelöst. Von Selbstdarstellung ist in Liebichs Instastory keine Spur: Am Ende bietet er lediglich an, dass er und sein Team gerne Fragen zu dem Thema beantworten. In kaum zwei Minuten sind die Follower umfassend zu dem Thema informiert.

Zielgruppe: Instagram

Laut Statista sind die Instagram-Nutzer zum Großteil zwischen 14 und 24 Jahre alt. Mit der unterhaltsamen Aufarbeitung der Causa Maaßen machte Liebich seinen Account zur informativen Nachrichtenplattform – auch für junge Leute.  Was macht Liebich sonst so auf Instagram? Seine tägliche Arbeit, ob im Bundestag, auf Geschäftsreise in Schweden oder zum Besuch im Altersheim hält er durch dort kontinuierlich fest. Er nutzt Instagram nicht nur als Sprachrohr für politische Botschaften, sondern versucht durch eine Mischung aus privatem und politischem Content seine Follower auch zu unterhalten, lässt über die neue Instagram-Funktion Fragen seiner Follower zu und beantwortet diese.

Auch die Bundeskanzlerin ist aktive Instagrammerin und kassiert mit durchschnittlich 12.000 Herzchen pro Beitrag eine adäquate Nutzer-Interaktion – wenn auch nicht mit den spannendsten Insights. Bis Stefan Liebich da herankommt ist es noch ein weiter Weg, denn der Instagram-Account der Bundeskanzlerin zählt ganze 687.400 Follower, Liebichs hingegen etwa 1.500. Damit gehört der Linken-Politiker zwar nicht zur Influencer-Elite des Netzwerkes, aber könnte mit seiner Strategie langfristig trotzdem ein Vorbild werden.