Landwirtschaft 4.0:

IT-Schulung statt Traktorführerschein?

Foto: CC BY 2.0 Flickr User Aqua Mechanical. Bildname: Hydroponic Vegetable. Ausschnitt bearbeitet.

Dass der Traum vieler Kinder, später mal einen eigenen Traktor fahren zu können, eventuell platzt, weil in zehn Jahren automatisierte Traktoren ohne Fahrer die Felder pflügen, könnte für die Landwirtinnen und Landwirte von morgen der einzige Nachteil der Digitalisierung der Landwirtschaft sein. Schon heute führen digitale Innovationen wie GPS-gestützte Landmaschinen, Precision Farming oder Melk-Roboter zu Effizienz- und Ertragssteigerungen sowie zu mehr Ressourcenschonung und Tierwohl. In der Branche ist man sich einig, dass die Digitalisierung der Landwirtschaft hauptsächlich Vorteile bringt. Darüber, wem die Daten, die auf dem Feld generiert werden, gehören, welche Digitalisierungshemmnisse noch bestehen, aber auch, welche Digitalkompetenzen bei den Landwirten überhaupt vorherrschen, wird in der Agrar- und Digitalwirtschaft, Politik und Wissenschaft derweil noch heiß diskutiert.

Mangelnde Digitalkompetenz

Von Robotern, die die Säuberung der Ställe übernehmen, über Sensoren an Düngerstreuern bis hin zu Drohnen, die Schlupfwespen im Maisbestand verteilen – die digitalen Innovationen halten eine Menge Möglichkeiten für Landwirte bereit, um Kosten und Arbeit zu sparen sowie ökologisch nachhaltiger zu wirtschaften. Ob die Landwirte die digitalen Möglichkeiten auch ausnutzen, ist eine andere Frage. Wie eine Studie des Digitalverbands Bitkom ergab, bremsen neben hohen Kosten, unzureichender Internetversorgung und der Sorge vor IT-und Datensicherheit auch die mangelnde Digitalkompetenz und Berührungsängste gegenüber neuen Technologien die Digitalisierung der Landwirtschaft.

Digitalberater oder Daten-Jongleur

„Das Potenzial ist gigantisch, aber es wird nicht ausgeschöpft“,

sagte der Geschäftsführer der Firma Farmblick, Oliver Martin, auf der ersten Digital Farming Conference des Bitkom, die am 22.03.2018 in Berlin stattfand. Gemeinsam mit Marius Sauer gründete er 2017 seine Firma, um Landwirten, Beratern und Firmen den Einstieg in das Thema Precision Farming zu erleichtern. Intelligente Sensorsysteme wie der „ISARIA Pflanzensensor“ oder Ertragspotenzialkarten durch Satellitentechnik versprechen, die Ertragsfähigkeit des Bodens optimal zu nutzen – sind allerdings auch reichlich kompliziert. Da die Landwirte nicht immer auch IT-Experten sind, glaubt Martin, dass Landwirte in Zukunft mit Digitalberatern arbeiten werden, die die Auswertung und Interpretation der Daten übernehmen.

Eine Veränderung des Berufsfeldes prognostiziertauch der Grünen-Bundesvorsitzende Robert Habeck, der ebenfalls als Speaker bei der Digital-Farming-Conference eingeladen war.

„Einerseits bietet die Digitalisierung viele Chancen: Betriebe können durch Technik umweltschonender wirtschaften – zum Beispiel genau passend düngen, wie der Boden und die Pflanze es an einem ganz bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit brauchen, nicht zu viel aber auch nicht zu wenig.“

Einher ginge damit aber auch, dass Bäuerinnen und Bauern womöglich zu Programmierern, Computerexperten und Daten-Jongleuren werden. „Damit wird sich der Beruf weiter akademisieren“, so Habeck. Über diese Themen sprach der Grünen-Vorsitzende bereits im Dezember beim UdL Talk.

Kein Netz auf dem Feld

Als viel akuteres Hemmnis, noch vor mangelnder Digitalkompetenz, sieht  Gerald Dohme, stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV), allerdings die Internetversorgung auf den Feldern an. „Wir haben ein echtes Problem mit dem Netz“, so Dohme auf der Bitkom-Konferenz. Das generierte Datenvolumen auf den Feldern werde immer weiter wachsen, weshalb eine flächendeckende Internetversorgung auf Basis von Glasfaser und 5G-Netzen dringend nötig sei. Dohme spricht in dieser Hinsicht von „erheblichen Versäumnissen“ in den letzten Jahren.

FDP gibt Rückenwind

In der Politik nahm sich in der neuen Legislaturperiode als erstes die FDP des Themas Digitalisierung der Landwirtschaft an. Am 18. Januar legte die FDP-Fraktion dem Plenum einen Antrag vor, in welchem sie die Bundesregierung auffordert, eine Strategie zur Digitalisierung der Landwirtschaft voranzutreiben. Diese solle neben dem Ausbau schneller Breitbandanschlüsse und leistungsfähiger Netze auch die Bereitstellung kostenloser, maschinenlesbarer Geo-, und Wetterdaten sowie topographische Karten, die bei den Behörden liegen, umfassen – eine Forderung, die der DBV schon lange stellt.

Dass die neue Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) das Potenzial der Landwirtschaft 4.0 erkannt hat, wurde in ihrer Regierungserklärung am 23. März deutlich. Dort bezeichnete sie viele Bauern als die Vorreiter der Digitalisierung. Zudem sicherte sie zu, digitale Entwicklungen wie Precision Farming und GPS-gestützte Landmaschinen verstetigen zu wollen. Die Antwort auf die Frage aus der FDP-Fraktion, wie sie dies tun wolle, ließ Klöckner allerdings offen.