Mit WLAN gegen etablierte Platzhirsche

4G schlägt V8“ – da ist sich der Autobauer Opel sicher und setzt auf WLAN serienmäßig, um der Konkurrenz von VW, Audi und Mercedes etwas entgegenzuhalten. In den dazugehörigen Werbespots, die im letzten Herbst über Social Media und auch ganz klassisch über das Fernsehprogramm liefen, wurden die Fragen gestellt, die zukünftig über den Autokauf entscheiden sollen: Hat das Auto einen ultraschnellen WLAN Hotspot? Lässt es sich bequem mit einer App bedienen? Holt der bei einem Unfall automatisch Hilfe?

Fernbus gegen Deutsche Bahn

Kostenfreies WLAN in Deutschland – früher meist nur bei Starbucks verfügbar – hat sich inzwischen zum Verkaufsargument in vielen Branchen entwickelt. Schon lange drängt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Deutsche Bahn zu einem Sprung ins Digitalisierungszeitalter. Nach den ICE-Strecken sollen jetzt auch die Regionalzüge WLAN-fähig werden, um gegen die wachsende Fernbus-Konkurrenz anzukommen. Zu Beginn des Jahres legte Dobrindt noch einmal nach und lobte die Fernbus-Konkurrenz als äußerst attraktiv: „Da holt die Bahn mit Internet im ICE erst jetzt auf“. Bei „Mein Fernbus“ ist das Gratis-WLAN dagegen seit dem Start 2012 eines der zentralen Verkaufsargumente, auch wenn sich das WLAN noch im Testbetrieb befindet und nicht immer Steckdosen für das ganze mitgebrachte Equipment verfügbar sind.

Billigflieger gegen Lufthansa

Norwegian Airline
Bei Norwegian gibt es Wifi, Foto: CC-By 2.0 Flickr User Mighty Travels. Bildname: Norwegian new routes – Non-stop flights to Europe from Las Vegas and the Caribbean announced. Ausschnitt bearbeitet

„Genießen Sie Ihren Flug mit gratis WLAN auf fast allen europäischen Strecken“, heißt es bei Norwegian, der norwegischen Billigfluglinie, die sich aufgemacht hat, den europäischen und den transatlantischen Markt aufzurollen. Erst Ende 2013 hat die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) die Nutzung mobiler Geräte im Flugmodus an Bord von Flugzeugen freigegeben. Seitdem entwickeln die Fluglinien Marketingstrategien, die das als Zusatznutzen für den Fluggast anpreisen. Bei Norwegian steht der Internet-Browser kostenfrei zur Verfügung, sobald das Anschnallzeichen erlischt. Da die Verbindung mit dem weltweiten Netz am Boden für viele Menschen selbstverständlich ist, wird etwas schelmisch gefragt: „Warum sollte das während Ihres Flugs anders sein?“. Auch bei Emirates kann man in fast allen A380 vom Sitz aus „kostenlos bloggen, posten oder twittern“. 10 MB Daten stehen kostenlos zur Verfügung – „genug, um im Internet zu suchen, E-Mails zu senden und den Status in Facebook zu aktualisieren“ so die Airline. Für einen Dollar gibt es auch 500 MB. Bei der Lufthansa hat man WLAN ebenfalls entdeckt, allerdings nicht als Kundenservice, sondern als Einnahmequelle. Der Service FlyNet wird in Kooperation mit der Deutschen Telekom erbracht und kostet stolze 9 Euro pro Stunde oder 17 Euro für eine 24-Stunden-Flatrate.

Einzelhandel wartet auf gesetzliche Regelung

Um „Cross-Channel-Services“ anzubieten, wie es im Fachjargon des Handels heißt, würden auch Supermärkte und die Länden in der Innenstadt gerne kostenfreies WLAN anbieten. Doch kleine und mittelständische Händler schrecken aufgrund der bestehenden Haftungsregeln bisher davor zurück, Kunden während des stationären Kaufs einen Online-Zugang zu gewähren. Die Neuregelung der WLAN-Störerhaftung, die derzeit im Bundestag beraten wird, sollte eigentlich die gewünschte Rechtssicherheit bringen, doch der Handelsverband ist skeptisch und fordert „praxisnahe Lösungen“. Nicht mehr länger auf eine gesetzliche Regelung warten wollte die Drogeriemarktkette dm. Nachdem im Juli der Online-Shop an den Start ging, steht seit September flächendeckend in allen deutschen Märkten kostenloses WLAN zur Verfügung. Wer keine Lust mehr auf die Schlepperei hat, kann sich vor Ort die Waren anschauen, Preise vergleichen, die Produkte im Warenkorb des Onlineshops auswählen und sich alles bequem nach Hause liefern lassen.

Bei allen Diensten spielt natürlich der Datenschutz eine große Rolle. Bei dm gibt eine ausführliche Datenschutzerklärung über die Verwendung personenbezogener Daten. Opel sichert zu, dass OnStar Streckenverläufe nicht aufzeichnet und man mit der schwarzen Privat Taste seinen Standort jederzeit verbergen könne. Und wenn man seine Meinung ändert, kann man einfach erneut die Privat Taste drücken und ist wieder sichtbar in der vernetzten Welt.