re:publica 2018:

POP die digitale Blase!

Foto: CC BY 2.0 Flickr User Björn Falkevik. Bildname: IMG_5431. Ausschnitt bearbeitet.

Am 2. Mai ist es wieder so weit – mit der jährlichen re:publica kommen tausende digitale Vordenker, Kritiker und Enthusiasten nach Berlin. Zu bereden gibt es einiges für die Teilnehmenden und Speaker der Digital-Konferenz: Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, Algorithmen stellen uns vor neuartige Herausforderungen und die Frage, wie wir uns als digitale Gesellschaft effektiv organisieren und alle dabei miteinbeziehen, ist aktueller denn je. “POP” heißt das Motto der re:publica in diesem Jahr – kurz für “Power to the People”. Die Idee: als Masse Souveränität in der digitalen Welt zurückgewinnen und – im übertragenen Sinne – digitale “Blasen” platzen lassen. Ein Ausblick aus der digitalpolitischen “Bubble” auf das diesjährige Konferenz-Programm:

Politik auf der re:publica

Wie sollen wir die Digitalisierung gestalten? Darum, wer diese Frage innerhalb der Bundesregierung mit beantworten darf, streiten sich die verschiedenen Ressorts immer häufiger. Da ist es kein Wunder, dass ein Besuch auf der re:publica Pflicht für die Politik ist – zumindest für manche. Nachdem die ehemalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im vergangenen Jahr ihr Lieblingsprojekt Arbeit 4.0 vorstellte und dabei auch ihre Argumente gegen das bedingungslose Grundeinkommen ausführte, kommt auch ihr Nachfolger Hubertus Heil (SPD) in diesem Jahr zur re:publica. Auf der parallel in der “Station” stattfindenden Media Convention spricht er über Arbeiten in (digitalen) Medienunternehmen. Am Freitag auf der re:publica Stage 2: die neue Justizministerin Katarina Barley (SPD) im Gespräch mit dem ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP), CCC-Sprecherin Constanze Kurz und Publizist Jakob Augstein über digitale Freiheitsrechte. Prominent nicht vertreten in diesem Jahr: Unionsministerinnen oder -minister. Die haben es traditionell nicht leicht vor dem re:publica-Publikum.

Weniger DS-GVO, mehr große Fragen

Doch nicht nur die Talks mit politischer Prominenz auf dem Podium sind politisch. Während die Berliner Politik-Bubble weiter ganz kleinteilig die Anpassung an die Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) aus allen möglichen Perspektiven diskutiert, widmet man sich auf der re:publica eher den großen Fragen: Wie gestalten wir die “Ära der Überwachung”? (Frag doch Chalsea Manning!) Brauchen wir digitale Grundrechte? (Ja! Sagen zumindest die Initiatoren der #digitalcharta…) Wie soll ein möglicher “Neustart” für das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem aussehen? (Digital!) Wollen wir in der nächsten “Phase” des Internets Uploadfilter einsetzen, um Urheberrechte zu schützen? (Spoiler: Nein.) Und: Was tun gegen die vermeintliche Willkür algorithmenbasierter Entscheidungen? (Die Blackbox öffnen!)

Wie wir über Politik reden

Weil das Internet ein Ort ist, wo Politik gemacht und kommuniziert wird, spielen auch die Filterblasen, Newsfeeds und Twitter-Bots wieder eine herausragende Rolle auf der re:publica. “Plattformen, KI und Algortihmen – Was steht zwischen uns und den Inhalten?”, fragt Kristian Kunow von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg deshalb. Warum sind die Rechten eigentlich so “hip” im Netz? Das will die Journalistin Ingrid Brodnig bei ihrem Talk diskutieren. Dürfen die das? Die Frage nach den Aktivitäten der Bundesregierung in sozialen Netzwerken stellen einige Vertreter der Medienbranche außerdem dem Abteilungsleiter Politische Information des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung, Johannes Dimroth.

Ein Fest für das Netz

Wer schon mal auf der re:publica war, stellt schnell fest: Auch die Konferenz selbst ist eine Art “Bubble”. Experten und Kenner diskutieren unter sich über die Auswirkungen des Technologiewandels auf – eigentlich alles und jeden. Muss die re:publica auch ihre eigene Blase platzen? Einen ersten Versuch starten die Veranstalter in diesem Jahr mit dem “Netzfest” – dem ersten “digitalen Volksfest”. Im Park am Gleisdreieck – unweit der Konferenz-Location – dürfen am Samstag alle mitmachen, digitale Technologien ausprobieren und digitales Grundwissen ausbauen.