UdL Digital Talk Vorschau:

Vier Fragen an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil

Morgen ist es soweit: Unter der Überschrift „New Work: Bringt uns die Digitalisierung Gleichberechtigung in der Arbeitswelt?“ diskutieren Hubertus Heil (Bundesminister für Arbeit und Soziales) und Dr. Sarah Müller (Geschäftsführerin von Kununu) bei der UdL Digital Talk Spezialausgabe zum Weltfrauentag. Im Vorfeld des Diskurses haben wir beiden Gästen vier Fragen gestellt. Heute teilen wir die Gedanken vom Bundesarbeitsminister:

Ich freue mich auf den Talk, weil…

Pressefoto: Susie Knoll

…es um die Zukunft der Arbeit geht und wir jetzt die Weichen für die Zukunft stellen müssen. Ich bin überzeugt: Uns geht die Arbeit nicht aus, aber es wird andere Arbeit sein. Deshalb müssen wir jetzt den Sozialstaat für neue Herausforderungen weiterentwickeln und dafür sorgen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von heute auch die Arbeit von morgen machen können. Qualifizierung, Weiterbildung, Umschulung – darum kümmere ich mich. Es geht um Chancen und Schutz in Zeiten des Wandels.

Gibt es im Arbeitsministerium eine New Work Mentalität?

Die gibt es ganz sicher. Immerhin sind die Themen rund um New Work, Future of Work oder Arbeit 4.0 zentral für unser Haus. Wir als Arbeitsministerium haben klare Vorstellungen davon, was gute Arbeit bedeutet und gestalten diese aktiv mit. Ausdruck unserer Denkweise ist, dass wir bei allen technischen Möglichkeiten den Menschen im Mittelpunkt sehen. Damit verbunden sind Herausforderungen u.a. für Qualifizierung und Weiterbildung, für agiles Arbeiten, für Zusammenarbeit und Vernetzung auf Augenhöhe und über Hierarchie- und Ressortgrenzen hinweg, für Beteiligung sowie für Flexibilität, Kreativität und Gesundheit. Das sind die Herausforderungen, die wir politisch, aber auch nach innen als Arbeitgeber meistern wollen, ansonsten werden wir nicht am Puls der Zeit bleiben.

Sehen Sie einen Arbeitswandel auch im öffentlichen Sektor?

Einen Arbeitswandel kann man im öffentlichen Sektor insgesamt beobachten, wenn auch etwas langsamer als in der Wirtschaft. In den vergangenen Jahren ist das Interesse an neuen Arbeits- und Organisationsformen auch im Öffentlichen Dienst immens gestiegen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass sich z.B. viele Verwaltungen bereits auf den Weg gemacht haben und – ergänzend zur klassischen Aufbauorganisation – neue Organisationsstrukturen, neue Arbeitszeitmodelle sowie neue Formen der Zusammenarbeit, Vernetzung, Führung und Beteiligung erproben oder eingeführt haben.

Dieser Talk ist eine Spezialausgabe zum Weltfrauentag: Was glauben Sie, ist der wichtigste Aspekt von Geschlechterungleichheit, der in Deutschland zügig angegangen werden sollte? Wird die Digitalisierung diese Ungleichheit ändern?

Es gibt noch immer eine große Diskrepanz bei der Verteilung der Arbeit zwischen Männern und Frauen. Frauen übernehmen den Großteil der Sorgearbeit, während Männer öfter in Vollzeit arbeiten. Und: Während viele Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Arbeitszeit deutlich reduzieren, arbeiten manche Väter nach der Geburt oft sogar mehr als vorher. Sorge- und Erwerbsarbeit muss also zwischen den Geschlechtern fairer ausgeglichen werden, damit Frauen ihre Erwerbswünsche besser realisieren können. Übrigens: Eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen hilft auch der Arbeitswelt. Frauen werden nicht zuletzt als Fachkräfte dringend gebraucht. In vielen Bereichen wird durch den digitalen Wandel der Fachkräftebedarf weiter steigen. Er bietet auch Chancen für die Gleichstellung der Geschlechter: Zum Beispiel entstehen neue Möglichkeiten, Arbeitsort und -zeit stärker selbst bestimmen zu können. Dies kann die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben erleichtern und zu einer gleichberechtigteren Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern beitragen.

Was können Sie als Bundesarbeitsminister beitragen, um mehr Digitalberufe für Frauen zugänglich zu machen?

Wir haben uns in dieser Legislaturperiode vorgenommen, ein Recht auf Homeoffice auf den Weg zu bringen, das die Balance von Sicherheit und Flexibilität wahrt. Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, mehr Spielraum für Familienzeit zu schaffen. Das werde ich einlösen. Außerdem besteht seit Beginn dieses Jahres mit der Brückenteilzeit ein Recht darauf, auf die Arbeitszeit zurückzukehren, die man vor der Reduzierung hatte. Das verhindert, dass vor allem Frauen unfreiwillig in Teilzeit arbeiten müssen. Auch das kann zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt beitragen.
Zudem setzen wir uns als Bundesregierung dafür ein, mehr Frauen für MINT-Berufe zu begeistern und insgesamt dafür zu sorgen, dass die Berufswahl junger Frauen und Männer frei von Geschlechter-Klischees erfolgen kann. Hier arbeite ich auch eng mit meinen Kolleginnen im Bundesfamilien- und im Bundesbildungsministerium zusammen beispielsweise in der Initiative „Klischeefrei“.

Pressefoto Hubertus Heil: Susie Knoll | Pressefoto Dr. Sarah Müller: Kununu

UdL Digital Talk

New Work: Bringt uns die Digitalisierung Gleichberechtigung in der Arbeitswelt?
Donnerstag, 7. März 2019 im Telefónica BASECAMP.
Beginn 18.00 Uhr (Einlass ab 17.30 Uhr).
Bitte verbindlich über Facebook oder per E-Mail (repraesentanz@telefonica.com) anmelden.