Wissenschaftsjahr 2018:

Digitalisierung erden

Sei es bei der Herstellung von Autos, dem Verkauf von Bahntickets oder dem Entwurf des nächsten Bauprojekts – der Einsatz von smarter Technik ist mittlerweile in fast allen Job sein alltägliches Geschäft. Doch wie hat man sich Berufswelten vorzustellen, in denen selbstlernende Maschinen, raffinierte Automaten und leistungsfähige Computer Arbeiten übernehmen, die heutzutage noch selbstverständlich von Menschen erledigt werden? Die scheidende Bildungsministerin Johanna Wanka plädiert dafür, nicht abzuwarten, bis es so weit ist, sondern schon heute nach Antworten zu suchen, um die Zukunft der Arbeit nach den Bedürfnissen der Bürger zu gestalten. In dem von Wanka im Februar eröffneten Wissenschaftsjahr 2018 –Arbeitswelten der Zukunft werden Interessierte aus Wissenschaft und Gesellschaft ein Jahr lang in einen Dialog treten und sich in verschiedensten Formaten dieser Frage stellen.

Foto: CC BY 2.0 Flickr User Surian Soosay. Bildname: Alternate Meteor (Old Collage). Ausschnitt bearbeitet.

Fortschritt und Mensch: Wer lenkt wen?

“Wir wollen eine Zukunft, in der der Mensch den Fortschritt beherrscht und lenkt, nicht umgekehrt. Der Mensch kann den Wandel der Arbeitswelt gestalten. Bildung und Forschung sind dafür der Schlüssel”,

sagte Wanka zum Startschuss der Projekt- und Veranstaltungsreihe. Beim Wissenschaftsjahr sollen Forschungsprojekte und -ergebnisse aus den vier Themenfeldern – wachsende und lernende, vernetzte und automatisierte, innovative und organisierte und vielfältige und gestaltbare Arbeitswelten– an die Öffentlichkeit getragen werden.

“Wir erreichen Menschen, die wir sonst mit Forschungsthemen nicht erreichen”,

hofft die CDU-Ministerin. Finanziert wird das Wissenschaftsjahr vom Bund mit 5,8 Millionen Euro. Geplant sind rund 2000 Veranstaltungen mit Hunderten Partnern.

Auf der Internetseite zum Wissenschaftsjahr kann man sich über die Veranstaltungen und Forschungsprojekte, aber auch Zukunftsorte in Deutschland informieren, in denen schon heute Arbeitswelten der Zukunft gestaltet werden. Das Future Work Lab in Stuttgart etwa zeigt seinen Besucherinnen und Besuchern die Industriearbeit 4.0. In dem vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) eingerichteten Zukunftslabor soll verdeutlicht werden, dass digitaler Fortschritt nicht zwangsläufig nur einen Abbau von Arbeitsplätzen bedeutet, sondern auch Grundlagen für neue Berufe und optimierte Prozesse bilden kann. Ein Beispiel im Future Work Lab sind Exoskelette – am Körper zu tragende Roboter oder Maschinen. Sie könnten den Menschen bei schweren Arbeiten unterstützen und dadurch die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verbessern.

Blick richten auf soziale Innovationen

Mit dem Wissenschaftsjahr das Thema Digitalisierung zu „erden“, ist ein zentrales Anliegen von Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Sozialpartner des Wissenschaftsjahrs. Bei der Auftaktveranstaltung sagte die Gewerkschafterin, dass es beim Wissenschaftsjahr darum gehe, klar zu machen, was für Arbeitswelten auf uns zukommen und welche Chancen darin liegen.

„Wir wissen, dass in der Gesellschaft nicht nur Begeisterung, sondern auch berechtige Sorgen und Ängste mit Blick auf die Digitalisierung existieren“, so Buntenbach.

Daher sei es wichtig, den Blick nicht nur auf technologische, sondern auch auf soziale Innovationen zu richten. „Schließlich wollen wir, dass die Möglichkeiten der Digitalisierung dazu genutzt werden, mehr gute Arbeit zu schaffen und die Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern“, führte sie weiter aus.

Digitalisierung der Arbeit als Chance

Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und ebenfalls Sozialpartner des Wissenschaftsjahrs, hält es für die richtige Strategie, die Digitalisierung der Arbeit als Chance zu begreifen. Studien, die beschreiben, wie viele Beschäftigte durch den digitalen Wandel ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, nehme Gunkel zwar ernst, diese helfen seiner Meinung nach jedoch nicht weiter. Man solle sich mehr damit auseinandersetzen, wie der digitale Wandel gemeistert werden kann. Er verwies u.a. auf die Möglichkeit flexibler Arbeitszeiten und –orte durch neue Kommunikationsmittel und den verbesserten Arbeitsschutz durch technische Möglichkeiten und betonte, dass es uns in der Vergangenheit sehr gut bekommen sei, den Wandel als Chance zu begreifen und nicht als Bedrohung zu sehen.

Dass auch die Politik die Arbeitswelt der Zukunft mitgestalten muss, scheint die neue Große Koalition verstanden zu haben. SPD, CDU und CSU haben in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie mobile Arbeit fördern und erleichtern wollen. Aber auch die digitalen Helfer für die Jobs der Zukunft müssen noch weiterentwickelt werden. So soll Deutschland zu einem führenden Markt für Assistenzsysteme werden, die Inklusion ermöglichen sowie lern- und gesundheitsförderlich sind. Auch soll ein Anwendungsprogramm „Assistenzsysteme für kleine und mittlere Unternehmen“ aufgelegt werden. Gleichzeitig sprechen sich die Koalitionäre entschieden gegen den „gläsernen Mitarbeiter“ aus, der bei zunehmender Vernetzung der Arbeitswelt entstehen kann. Ist die Politik damit auf dem richtigen Pfad zur Gestaltung guter digitaler Arbeit? Das Wissenschaftsjahr wird jedenfalls weitere Impulse geben.