WLAN via Drohne und Mülleimer

Das Ausbauziel in Deutschland ist klar: Bis zum Jahr 2018 sollen die deutschen Haushalte flächendeckend – und damit auch die bisher kaum erschlossenen ländlichen Regionen – mit einem Internetzugang mit mindestens 50 Mbit/s Downloadgeschwindigkeit ausgestattet sein. So steht es in der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Auch die drei Telekommunikationsunternehmen Telefónica, Telekom und Vodafone haben anlässlich der Versteigerung der Frequenzen für mobiles Breitband kürzlich zugesichert, einen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten zu wollen. In den USA wird derweil an neuen Möglichkeiten getüftelt, um auch entlegene Gebiete mit Internet zu versorgen.

Internet aus 30 Kilometer Höhe

Facebook beispielsweise beherrschte jüngst mit Aquila die Schlagzeilen. Was so ähnlich klingt wie ein Hunnenkönig aus ferner Zeit, ist tatsächlich eine Drohne. Mit der will das Unternehmen künftig die zehn Prozent der Weltbevölkerung mit Internet versorgen, deren Anschluss an die herkömmliche Infrastruktur zu kostenintensiv ist. Mit den im Handel erhältlichen kleinen Quadrocoptern hat die Erfindung von Facebook allerdings nichts zu tun. Das unbemannte Flugobjekt des Social-Media-Konzerns hat eine Flügelspanne von 42 Metern und ist damit so groß wie eine Boeing 737. Dafür wiegt sie mit 400 Kilogramm sogar weniger als ein Auto. Betrieben wird Aquila mit Solarenergie. An der Treffsicherheit des Lasersystems, das die Internetsignale aus 30 Kilometern Höhe zentimetergenau gen Boden sendet, wird noch gefeilt. Probeflüge sind aber bereits für dieses Jahr geplant.

Die ersten Flüge – nämlich inzwischen 500.000 Testkilometer – haben die Heißluftballons, die Google unter dem Projektnamen Loon entwickelt hat, bereits hinter sich. Auch der Suchmaschinenbetreiber verfolgt damit das Ziel, Menschen in entlegenen Gebieten mit Internet zu versorgen. Der Nachteil gegenüber der Drohne: Die Ballons sind nicht so leicht zu steuern. Google müsste also ganze Ketten der WLAN-Ballons um die Welt treiben lassen. Dafür sind diese in der Anschaffung günstiger. Während die Loon-Ballons ohne Übertragungstechnik nur ein paar hundert Dollar kosten, muss Facebook bei der Aquila-Drohne Millionenbeträge investieren.

Funkende Tonnen und Litfaßsäulen

Wesentlich kostengünstiger, aber auf nicht minder kreative Weise, werden einige Kommunen in Deutschland in naher Zukunft kostenloses Internet auf öffentlichen Plätzen anbieten: mit funkenden Mülleimern. Noch können die 380 High-Tech-Tonnen, die bereits in 38 Städten und Gemeinden aufgestellt sind, zwar „nur“ ihre Füllstände per Internet an die Stadtwerke melden und den Abfall solarbetrieben selbst pressen. Eine Ausstattung mit Internet-Hotspots ist jetzt aber als Pilotprojekt in einigen dieser Kommunen geplant.

Was bei WLAN geht, ist natürlich auch bei Mobilfunk möglich. Um den Mobilfunkempfang für die Reisenden am Münchner Hauptbahnhof zu verbessern, hat das Telekommunikationsunternehmen Telefónica seit zwei Jahren eine Mobilfunk-Sendeanlage in Betrieb, die in eine Litfaßsäule eingebaut wurde. Die UMTS-Basisstation empfängt die Signale der Smartphones in fünf Metern Höhe und leitet sie über eine Richtfunkantenne an eine größere Station in der Nähe weiter. Der Vorteil des vergleichsweise niedrigen Standorts der Mobilfunkstation in Straßenhöhe: Der Empfang ist für die Passanten besonders gut. Telefónica hat angekündigt, bundesweit an weiteren Standorten funkende Litfaßsäulen in Innenstädten aufzustellen.